Craftbeer goes Mainstream ? Die Wirtschaftswoche berichtet diese Woche …

 

 

 

 

2013-10-29 18.20.11

 

 

 

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…auf Sage und Schreibe drei Seiten über die Craftbier-Szene in Deutschland.

Es geht um “Neue Sorten dank kleiner Brauereien. Craft-Bier ist das Zauberwort der Branche”

Interessant fand ich diesen Absatz:

Craftwerk listet wie alle Craft-Brauer säuberlich die Malzsorten – vier – und Hopfensorten – zehn – auf, die mit Hefe und Wasser vergoren werden. Reinheitsgebot – das ist auch für Craftwerk weiterhin eine Leitlinie. “Wir wollen zeigen, dass auch damit Abwechselung möglich ist. Das ist technisch die größere Herausforderung. Ob man bei weiteren Spezialitäten später einmal davon abweicht, das werden wir sehen”, sagt Niewodniczanski. Der Brauriese sieht sich nicht als Konkurrent der kleineren Mitbewerber, die teils neidisch, teils neugierig die technischen Möglichkeiten der Pilotbrauerei beobachten. “Auf den Braufestivals wie in Berlin stößt man auf eine gewisse Offenheit für uns, auch weil einige denken, dass einer der Großen als Lokomotive dem Thema helfen kann.”

Von einer “teils ablehnenden Sichtweise” ist nicht die Rede. Hauptsache die Lokomotive macht viel Dampf gell.

Lesestoff: Wer hat das erste IPA oder APA in Deutschland gebraut ?

Laut dieser Diskussion samt Statistik auf ratebeer.com ==> http://www.ratebeer.com/forums/first-german-ipa-or-apa_245323.htm  ist es – zumindest was Biere aus dem 21. Jahrhundert angeht – das Lemke IPA (aus Berlin) dessen erste Bewertung aus dem Jahr 2005 stammt:  http://www.ratebeer.com/beer/lemke-indian-pale-ale/49745/

Platz 2 mit einer ersten Erwähnung im Jahr 2006 geht (auch das ist wohl keine ganz große Überraschung) an das Weyermann IPA  http://www.ratebeer.com/beer/weyermann-india-pale-ale/67541/

Auch in dem o.g. Diskussionthread zu finden: Die fünf IPAs aus Deutschland mit den (aktuell) besten Bewertungen:

The five best rated German IPA’s are as follows:
1) Fritz Ale American IPA (94.22)
2) BrauKunstKeller Amarsi (93.65)
3) Häffner Bräu Hopfenstopfer Comet IPA (93.59)
4) Schönramer Bavarias Best India Pale Ale (92.94)
5) Camba Bavaria Erics IPA (92.67)

Mit den fünf Brauereien hätte ich auch spontan gerechnet. Vielleicht nicht in der Reihenfolge, aber zumindest mit diesen Herstellern.

Tasting: Amarsi IPA vom Braukunstkeller

Ein fruchtiges, hopfenbetontes India Pale Ale mit den Hopfensorten Amarillo und Simcoe.

Amarsi bedeutet auf italienisch “sich lieben” und das schmeckt man auch. Zwei Hopfensorten die sich perfekt ergänzen und von einem caramelmalzigen Mantel umhüllt werden. Der Duft von reifen Mangos, Orangen und Citrusnoten setzt sich mit einem vollen Malzkörper zu einer harmonischen Einheit zusammen.

So weit und so prosaisch äußert sich die Brauerei zu diesem IPA. Nach dem Laguna IPA (https://bierausbayern.wordpress.com/2013/10/20/tasting-laguna-ipa-vom-braukunstkeller/) ist heute das nächste Bier aus dem Odenwald an der Reihe.

Bei Ratebeer.com hat das Bier recht gute Bewertungen erhalten: 3,55 Weighted Average. http://www.ratebeer.com/beer/braukunstkeller-amarsi/217508/

Es kommt in der schlanken 0,33 l Flasche auf den Tisch, hat 66 Bittereinheiten und flotte 7,1 % vol. alc. (laut Website http://www.braukunstkeller.de/ hat es 6,1 % alc …. ein Tippfehler ?)

Im Glas hat das Amarsi eine orange-goldene Farbe, einen hellbeigen feinporigen und lange haltbaren Schaum, einige Schwebteilchen (Hopfen- und Malzreste) findet man am Glasboden.

Das Aroma: Sehr fruchtig und süßlich, die schon angekündigten Südfrüchte (Citrus, Orange, Mango,…) sind sofort präsent, frisch und karamellig, eine leichte hopfige Kräuternote gesellt sich dazu.

Rezenz: Frisch

Antrunk: vollmundig, frisch, sortentypisch, leicht malzaromatisch

Nachtrunk: feinherb, feinbitter, ausgewogen, fruchtig.

Prädikat: Erbarme, die Hesse komme ? ==>  https://www.youtube.com/watch?v=4ReF03YwIO8   Nein. Das hier ist das beste IPA / Bier vom Braukunstkeller. Und eines der besten IPAs aus Deutschland.

Tasting: Holy Cowl (Belgian Style Tripel) von Craftwerk Brewing / Bitburger

Heute ist es herbstlich genug um das dritte Bier vom Bitburger Craftbier-Ableger zu testen. Getrunken habe ich das Holy Cowl schon mal im Juli oder August. Aber das waren die Aussentemperaturen einfach zu warm für ein Belgian Style Tripel. Laut Etikett ein Starkbier mit schlappen 9,0 % vol. alc. Da das Bier also eher was für kühle Herbst- und Winter-Tage ist, habe ich eine der Flaschen bis heute reifen lassen. 

Bei der Bewertungsplattform ratebeer.com hat das Bier (Style: Abbey Tripel) übrigens erst schlappe 7 Bewertungen. Stürmische Nachfrage sieht m.E. anders aus. Und von den drei Craftwerk-Bieren hat es bisher auch die schlechteste Durchschnittsnote (Weighted Av. 3,05). Wobei man der Fairness halber betonen muss, daß elf resp. sieben Bewertungen bei den Werken von Craftwerk auch noch nicht ernsthaft repräsentativ sind.

Das Bier kommt in einer 0,33 l Flasche daher, es ist bis Juni 2015 haltbar und das Etikett ist im üblichen Craftwerk-Stil gehalten. Auf dem Rückenetikett erfährt man relativ viel über die Zutaten (Hopfen: Perle und Hallertauer Tradition, Malz: Pilsner Malz und Karamellmalz) und das Bier. 

Optik: orangefarben, leicht trüb, gleichmäßig trüb, grobporiger weißer Schaum der schnell zusammenfällt. 

Aroma: Dezent säuerlich, hefig, etwas Birne / Frucht, klar wahrnehmbare Süße, Honig, vielversprechend 

Antrunk: vollmundig, weich, sortentypisch, schwer, alkoholig

Rezenz: spritzig und für meinen Geschmack etwas zu bizzelig

Nachtrunk: kräftig betont, rund, süß, lang anhaltend, wenig Bitternoten 

Prädikat: Guter Versuch eines Belgian Style Tripel … aber irgendetwas fehlt dem Bier. So richtig Authentisch kommt es bei mir nicht an. 

 

Tasting: Engel Hefeweizen Hell von der Crailsheimer Engelbräu

Ein gewöhnliches unspektakuläres Weissbier in einer doch recht ungewöhnlichen Flasche.

Um die 25 verschiedene Biere hat die Crailsheimer Brauerei im Sortiment. Darunter sind zwar auch einige saisonale Sorten, Spezialbiere für bestimmt Anlässe, usw. Aber trotzdem ist das Angebot für eine regionale Brauerei mehr als beeindruckend. Spricht m.E. für einen sehr fleißigen Brauer. Unter http://www.engelbier.de findet man mehr. Allerdings wirbt man mit vielen DLG-Gold-Preisen … und das die nicht sehr viel wert sind, ist ja mittlerweile bekannt: https://bierausbayern.wordpress.com/2013/07/23/die-dlg-veroffentlicht-2013er-bier-testergebnisse-als-buch/

Das sagt die Brauerei über ihr Hefeweizen:

Farbe: kräftig bronzefarben, feine Hefetrübung

Geruch: hefig frisches Aroma

Geschmack: sehr spritzig und erfrischend im Trunk, harmonischer und runder Körper, weicher und samtiger Abgang

Stammwürze: 12,9 %

Alkohol: 5,5 %

Typ: obergärig, die Gärhefe setzt sich am Boden der Flasche oder des Fasses ab

Malz: einheimisches Gerstenmalz 40 % und 60 % Weizenmalz, also eine Mischung von Gersten- und Weizenmalz

Hopfen: Anbaugebiet Hallertau, Aromahopfen

Im Glas zeigt sich das Bier mit orange-goldener Farbe, es ist gleichmäßig hefetrüb und hat einen weißen Schaum der rasch in sich zusammenfällt.

Aroma: Teigige Hefearomen, Karamell, Weizen-Getreide, Banane und etwas Zitrus, ein Hauch Nelke.

Antrunk: Malzaromatisch, etwas Würzeartig, Sortentypisch, weich und frisch.

Rezenz: Frisch – leicht spritzig.

Nachtrunk: rund, fruchtig, pfeffrige Gewürznoten.

Prädikat: Wenn man in Hohenlohe-Franken ist, kann man das mal probieren. Aber allzu viel verpasst man nicht.

 

Lesestoff: Mixology fasst den “Fritzgate-Skandal” zusammen

Die in Sachen Craftbier immer gut informierte (und informierende) Zeitschrift Mixology (Magazin für Barkultur) fasst – sehr treffend wie ich finde – den sog. “Fritzgate”-Aufreger noch mal zusammen:

http://mixology.eu/bier_und_wein/bier/fritzgate/

Zitat:

Die verbalen Schließmuskel waren geöffnet und der Shitstorm empörter Bierseelen hagelte nieder auf das finsterste Getränkeimperium, seit Coca Cola vom Kopfschmerzmittelchen zum Softdrink avancierte. Eins wurde deutlich: Die deutsche Craftbeerszene hat nicht nur ein grundsätzliches (und teils berechtigtes) Misstrauen gegen alles, was größer als drei Gasthausbrauhäuser ist, sie ist diesbezüglich auch sehr emotional. Doch wie so oft, wenn Gefühle im Spiel sind, gerät die Sachlage zur Nebensache in immer neuen Tiraden.