Lesestoff: Craftbeer Test & Tasting in der neuesten Ausgabe von Falstaff

Getestet und nach dem (vom Wein bekannten) 100-Punkte-Schema bewertet wurde diesmal Craftbier aus Deutschland. Etwas irritierend ist das ein Lager, drei IPA, zwei Pale Ale und ein Weizenbock miteinander verglichen oder zumindest gemeinsam bewertet wurden. Irritierend deshalb weil es von den Brauereien, die nicht mit einem IPA im Test vertreten waren in den meisten Fällen durchaus auch IPAs gibt. So bleibt ein bisschen der Eindruck das – auch wenn man wohl die Bandbreite der deutschen Craftbier-Szene zeigen wollte – hier die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen verglichen wurden…!? Denn womöglich ist der Weizenbock von Maisel & Friends (mit 91 Punkten auf Rang 5 in dem Tasting) in seiner Kategorie das bessere Bier?

Die genaue Rangfolge des Tastings:

Prototyp von Kehrwieder mit 97 Punkten

Drunken Sailor von Crew Republic mit 95 Punkten

Tangerine Dream von Bitburger / Craft-Werk mit 93 P.

Mandarina IPA vom Braukunstkeller mit 92 P.

Jeff’s Bavarian Ale von Maisel & Friends mit 91 P.

Simco3 von Riegele mit 91 P.

Citra Ale von Hopfenstopfer mit “nur” 89 P.

Diesmal schreibt übrigens Peter Eichhorn diese regelm. Kolumne zum Thema Bier in der (deutschen Ausgabe) der Zeitschrift Falstaff. Und nicht wie in der Vergangenheit “Bierpapst” Conrad Seidl. Ob das ein genereller Wechsel ist, ist mir nicht bekannt. 2014-04-10 17.00.03 2014-04-10 17.02.04 2014-04-10 17.01.25 20140324_150150 20140324_150207 20140324_150038

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Tasting: Hop Head IPA⁷ von der Bitburger Craftwerk Brauerei

Über die noch recht neuen Biere welche die Bitburger Brauerei unter dem Namen Craftwerk vermarktet, hatte ich schon einige Male berichtet: https://bierausbayern.wordpress.com/2013/07/19/bitburger-steigt-in-craft-beer-markt-ein/

Und das Tangerine Dream IPA aus dem Hause Craftwerk gleich zwei Mal getestet:

https://bierausbayern.wordpress.com/2013/07/25/tasting-craftwerk-tangerine-dream-india-pale-ale/

https://bierausbayern.wordpress.com/2013/07/30/mandarina_doppeltasting/

Heute also im Test das nächste Bier aus Bitburg: Das Hop Head IPA⁷
Bei Ratebeer.com übrigens aktuell das Bier mit der besten Durchschnittsnote von allen drei Craftwerk-Bieren. Aber es liegt nur knapp vorne und die Noten sind auch (noch) kein Grund für Euphorie.

Laut Etikett ein Starkbier / American IPA mit satten 8%-Vol.. Das Etikett ist im einheitlichen “Craftwerk-Stil” gestaltet, man gibt sich “betont anders” (verglichen mit Bitburger) und hat wohl auch ein paar Anleihen bei Brewdog genommen – zumindest erinnert mich das Etikett etwas daran. Ob man aber bei einem Bier das Hop Head heißt dann auch noch einen Hut auf das Etikett drucken muss ist zumindest Diskussionswürdig. Auf der Rückseite der Flasche werden – vorbildlich – alle verwendeten Zutaten aufgelistet.

Und das sind laut Craftwerk.de die technischen Daten:

Unsere Brauer sind echte „Hopfenfanatiker“ –  kein Wunder also, dass diese Schöpfung gleich mit sieben Hopfensorten daher kommt. Inspiriert von seinen letzten Trips an die Westküste der USA hat Braumeister Stefan seiner Liebe zu stark gehopften Bieren ein Denkmal gesetzt: Hop Head IPA⁷. Die intensiv-herbe Kombination mit leichter Chili-Note im ehrlichen Stil eines amerikanischen West Coast IPA – keine Spur von Understatement, sondern ein Genusserlebnis für alle Sinne.

Biergattung: Starkbier
Brauart: obergärig
Stammwürzegehalt: 17,4 %
Alkoholgehalt: 8 % vol
Bittereinheiten: 65

           DIE KNALLHARTE HOPFENEXPLOSION

Die deutschen Sorten Herkules, Magnum und Taurus setzt Stefan wegen der sehr angenehmen Bittere ein. Für die leicht fruchtig-tropische Note sorgen die amerikanischen Sorten Cascade, Centennial, Chinook und Simcoe. Hier tanzt der Hopfen auf der Zunge!

Im Glas präsentiert sich das Bier gold-orange-farben, es ist gleichmäßig trüb und hat eine feinporige weiße Schaumkrone die recht schnell zusammenfällt.

Das Aroma ist fruchtig, mit jeder Menge Citrus-/Grapefruit-Noten, einige hopfige Kräuternoten, und etwas Fichte / Pinie kommen noch dazu. In der Nase erahnt man m.E. schon den recht hohen Bitterwert.

Rezenz: frisch / leicht prickelnd 

Antrunk: frisch, sortentypisch, fruchtig-bitter mit etwas Malz und Karamell im Hintergrund.

Nachtrunk: betont trocken, feinherb und v.a. feinbitter, relativ lang.

Fazit: Trockenes American (West-Coast) IPA das aber (wohl aufgrund der Herkules/Magnum/Taurus-Hopfengabe) für meinen Geschmack etwas zu herb-bitter geraten ist.

Prädikat: Bittersüßer Hopfenhammer mit Potenzial.

Doppel-Tasting: Mandarina Bavaria Bier (Craftwerk vs. Hallodri)

Hallodri links im Bild, Tangerine Dream rechts zu sehen

Hallodri links im Bild, Tangerine Dream rechts zu sehen

Das Tangerine Dream IPA der neuen Craftwerk-Biermarke hat mich auf die Idee gebracht: Da steht doch noch eine Flasche “Eiskalt gehopfter Hallodri” von Hofbräu München im Keller. Die könnte man doch mal mit der Neu-Kreation von Bitburger vergleichen. Beide Biere sind mit 5,8 bzw. 6,0 % Alc nicht zu stark und beide sind mit Mandarina Bavaria Hopfen gebraut. Gleiche Startvoraussetzungen also. Allerdings ist das Hofbräu-Bier geschätzte 6 Monate älter (gekauft auf der Braukunst Live Anfang März 2013). Ich ging im Vorfeld davon aus, daß die Hopfenaromen beim Hofbräu-Bier nicht mehr so präsent und frisch sind wie beim noch jungen Bitburger-Craftbier-Wurf. Nachdem mich bisher nur wenige Biere mit dem noch recht neuen Mandarina Bavaria Hopfen überzeugt haben, fand ich es – trotz des Altersunterschieds – ein gute Idee die beiden Biere direkt miteinander zu vergleichen. Nachdem es zum Hallodri wenig Infos gibt, bin ich mir übrigens nicht sicher ob es sich hierbei um ein Mandarina Bavaria Single Hop Bier handelt. Beim Craftwerk Bier ist die Aussage dazu eindeutig.

Ein interessanter Unterschied – auf dem Papier – ist das Mindesthaltbarkeitsdatum: Während der Hallodri nur bis zum 12. Juni 2013 haltbar war (vermutlich also nur 6 Monate) ist das Tangerine Dream bis zum 28. Juni 2015 haltbar. Also zwei Jahre ! Überraschend lang für ein Bier mit 5,8 % Alc.

Mehr zum Craftwerk-Bier findet man hier: https://www.craftwerk.de/Biere/CRAFTWERK-TANGERINE-DREAM.html    

Zum Hallodri findet sich sehr wenig / fast nichts im Web. Auf der Brauereiseite wird es nur hier erwähnt: http://www.hofbraeu-muenchen.de/aktuelles/2013-02-braukunst-live/

Vorweg: In beiden Fällen handelt es sich um ein gutes und sortentypisches IPA. (Auch wenn Hofbräu den Hallodri wohl gar nicht offiziell als IPA bezeichnet).

Optik: Das TD hat cremigen, kompakten, etwas dunkleren Schaum, der Schaum haftet feinporig am Glasrand, das Bier ist hefetrüb und die Farbe würde ich als amber-orange bezeichnen. Das Hallodri hat im direkten Vergleich den grobporigeren helleren (weißeren) Schaum, der Schaum haftet ebenfalls sehr schön am Glasrand, auch der Hallodri ist hefetrüb und hat die etwas hellere Farbe (helleres Orange mit weniger Bernstein-Tönen). 

Aroma: Im direkten Vergleich irritiert das Craftwerk-Bier mit deutlich wahrnehmbaren (Berg-)Käsearomen. (Ein Hefeproblem?). Daneben haben beide Biere deutliche Zitrus-/ exotische Früchte-Aromen. Ich persönlich tue mich aber schwer dort explizit Mandarine zu erkennen. Trotz des höheren Alters ist das Zitrusfruchtaroma beim Hallodri dominanter. .

Im Antrunk präsentieren sich beide Biere frisch, hopfig-herb und einem mehr oder weniger raffinierten Zitrusgeschmack. Während der Hallodri auch hier wieder fruchtiger wirkt, ist das Tangerine Dream deutlich bitterer / herber. Letzteres führt für mich zu einem weniger harmonischen und kantigeren Eindruck. Dieser Eindruck könnte aber durch die Frische des Bieres verursacht sein. Und womöglich schmeckt es nach 6 Monaten in der Flasche deutlich runder und harmonischer. (Wie schon geschrieben: Nicht alle Startvoraussetzungen beim Doppeltasting waren gleich).

Beide Biere sind im Nachtrunk nicht nur fruchtig sondern auch würzig-pfeffrig. Letzteres trifft besonders auf den Hallodri zu, während das Craftwerk-Bier zusätzlich bitter und malzig schmeckt. Hinzu kommen beim Tangerine Dream noch grasige-krautige Noten.

Prädikat: Knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber mein Killermandarinen-Award geht nach München für die etwas bessere Mandarina Bavaria Kreation. 

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (Søren Aabye Kierkegaard)

Tasting: Craftwerk Tangerine Dream India Pale Ale

Craftwerk Tangerine Dream - 0,33 l Flasche

Craftwerk Tangerine Dream – 0,33 l Flasche

Brandneu auf dem Markt: Die drei Craftbiersorten von Bitburger. Einen tollen Artikel dazu findet man bei Lieblingsbier.de: http://www.lieblingsbier.de/2013/07/18/bitte-ein-ipa-bitburger-begeht-einstieg-in-den-craft-bier-markt/

Auf jeden Fall ist das wohl kein Schnellschuss, denn hinter dem Projekt steht ein bekannter Mensch: “Verantwortlich für die Biere ist laut der Webseite übrigens „Braumeister Stefan“, welcher mit Sicherheit einiges an Wissen über spannende Biere mitbringt, da er Leiter des Klein- und Pilotsudwerks an der TU München war und ebenfalls als Juror beim World Beer Cup 2012 mit dabei war.” (aus dem o.g. Artikel bei Lieblingsbier.de)

Den Tasting-Anfang bei mir macht das Tangerine Dream IPA. Das Bier (der erste verkaufte Sud) ist bis 28. Juni 2015 haltbar – mehr als ordentlich für ein Bier mit 5,8% Vol. Es wird in 0,33 l Flaschen angeboten und ist aktuell wohl nur über die Website der Brauerei (http://www.craftwerk.de/) erhältlich. Ärgerlich ist daran eigentlich nur die Tatsache das man insgesamt mind. 12 Flaschen ordern muss (Die drei Sorten kann man natürlich bei der Bestellung mischen). Und das die Lieferung mit fast einer Woche etwas arg lang gedauert hat. Naja das wird vielleicht noch besser. Der Preis liegt mit 2,16 € inkl. anteil. Versandkosten im OK-Bereich. (Benchmark ist für mich hier nach wie vor der Riedenburger Dolden Sud mit 1,40 – 1,50 € pro Flasche – allerdings ohne Versandkosten o.ä.). Ob man auf Dauer mit dem Vertrieb nur über die Craftwerk-Website und auf Festivals / in Szenebars erfolgreich sein kann, muss sich zeigen. Passt aber vermutlich zur Marke und stört zudem die anderen “Konzernmarken” nicht.

Die Flasche ist modern und “stylisch” gestaltet, ganz bewusst gegen den “üblichen” Bierstil und ohne jegliche Nähe zum “normalen” Bitburger-Auftritt. Das man die eine oder andere Anleihe beim Stil der US-Craftbrewer genommen hat ist nachvollziehbar. Auf jeden Fall sticht das Design ins Auge. Sogar mein Sohn hat die Flasche im Kühlschrank bemerkt und lobend kommentiert. Und das kommt sehr sehr selten vor. Wobei wenn ihn das anspricht, könnte man in dem Design wohl auch erfolgreich Limo verkaufen 🙂   Lobenswert ist auf jeden Fall die transparente Zutatenliste. Es wird exakt geschrieben welches Malz und welche Hopfensorte(n) verwendet werden. Hier sind es Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz und Weizenmalz. Und beim Hopfen der noch recht neue Mandarina Bavaria Hopfen. (Mehr dazu hier: http://www.lfl.bayern.de/ipz/hopfen/019190/index.php )

Eingeschenkt präsentiert sich das Bier orange-bernsteinfarben, hefetrüb, mit cremigem, feinporigem Schaum (weiß mit einem Hauch beige).

Das Tangerine Dream hat ein grasig-hopfig-zitroniges Aroma mit Anklängen von Kräutern und Südfrüchten. (Ein erster “Gruß” vom Mandarina Bavaria Hopfen). Die Rezenz ist angenehm und soft. Sortentypisch für ein IPA finde ich.

Der Antrunk ist Weizen-malzig, ziemlich bitter, sehr viele Zitrusfruchtaromen, frisch und insgesamt Sortentypisch. Geschmacklich ist der Nachtrunk ausgewogen, trocken, feinbitter, leicht hefig und mit einem Nachklang von Mandarine und Zitrone.

Fazit: Mich konnten bisher nicht allzu viele Biere mit Mandarina Bavaria Hopfen überzeugen (meine eigene Homebrew-Schöpfung eingeschlossen). Das IPA von Craftwerk zeigt aber was man mit diesem – wie gesagt noch recht neuen – Hopfen machen kann.

Prädikat: Auch wenn die Vermarktung an der einen oder anderen Stelle noch zu bemüht wirkt, das ist ein gelungenes leichtes IPA. Und hoffentlich ein positiver Impuls für Craftbeer aus und in Deutschland.