Doppel-Tasting: Mandarina Bavaria Bier (Craftwerk vs. Hallodri)

Hallodri links im Bild, Tangerine Dream rechts zu sehen

Hallodri links im Bild, Tangerine Dream rechts zu sehen

Das Tangerine Dream IPA der neuen Craftwerk-Biermarke hat mich auf die Idee gebracht: Da steht doch noch eine Flasche “Eiskalt gehopfter Hallodri” von Hofbräu München im Keller. Die könnte man doch mal mit der Neu-Kreation von Bitburger vergleichen. Beide Biere sind mit 5,8 bzw. 6,0 % Alc nicht zu stark und beide sind mit Mandarina Bavaria Hopfen gebraut. Gleiche Startvoraussetzungen also. Allerdings ist das Hofbräu-Bier geschätzte 6 Monate älter (gekauft auf der Braukunst Live Anfang März 2013). Ich ging im Vorfeld davon aus, daß die Hopfenaromen beim Hofbräu-Bier nicht mehr so präsent und frisch sind wie beim noch jungen Bitburger-Craftbier-Wurf. Nachdem mich bisher nur wenige Biere mit dem noch recht neuen Mandarina Bavaria Hopfen überzeugt haben, fand ich es – trotz des Altersunterschieds – ein gute Idee die beiden Biere direkt miteinander zu vergleichen. Nachdem es zum Hallodri wenig Infos gibt, bin ich mir übrigens nicht sicher ob es sich hierbei um ein Mandarina Bavaria Single Hop Bier handelt. Beim Craftwerk Bier ist die Aussage dazu eindeutig.

Ein interessanter Unterschied – auf dem Papier – ist das Mindesthaltbarkeitsdatum: Während der Hallodri nur bis zum 12. Juni 2013 haltbar war (vermutlich also nur 6 Monate) ist das Tangerine Dream bis zum 28. Juni 2015 haltbar. Also zwei Jahre ! Überraschend lang für ein Bier mit 5,8 % Alc.

Mehr zum Craftwerk-Bier findet man hier: https://www.craftwerk.de/Biere/CRAFTWERK-TANGERINE-DREAM.html    

Zum Hallodri findet sich sehr wenig / fast nichts im Web. Auf der Brauereiseite wird es nur hier erwähnt: http://www.hofbraeu-muenchen.de/aktuelles/2013-02-braukunst-live/

Vorweg: In beiden Fällen handelt es sich um ein gutes und sortentypisches IPA. (Auch wenn Hofbräu den Hallodri wohl gar nicht offiziell als IPA bezeichnet).

Optik: Das TD hat cremigen, kompakten, etwas dunkleren Schaum, der Schaum haftet feinporig am Glasrand, das Bier ist hefetrüb und die Farbe würde ich als amber-orange bezeichnen. Das Hallodri hat im direkten Vergleich den grobporigeren helleren (weißeren) Schaum, der Schaum haftet ebenfalls sehr schön am Glasrand, auch der Hallodri ist hefetrüb und hat die etwas hellere Farbe (helleres Orange mit weniger Bernstein-Tönen). 

Aroma: Im direkten Vergleich irritiert das Craftwerk-Bier mit deutlich wahrnehmbaren (Berg-)Käsearomen. (Ein Hefeproblem?). Daneben haben beide Biere deutliche Zitrus-/ exotische Früchte-Aromen. Ich persönlich tue mich aber schwer dort explizit Mandarine zu erkennen. Trotz des höheren Alters ist das Zitrusfruchtaroma beim Hallodri dominanter. .

Im Antrunk präsentieren sich beide Biere frisch, hopfig-herb und einem mehr oder weniger raffinierten Zitrusgeschmack. Während der Hallodri auch hier wieder fruchtiger wirkt, ist das Tangerine Dream deutlich bitterer / herber. Letzteres führt für mich zu einem weniger harmonischen und kantigeren Eindruck. Dieser Eindruck könnte aber durch die Frische des Bieres verursacht sein. Und womöglich schmeckt es nach 6 Monaten in der Flasche deutlich runder und harmonischer. (Wie schon geschrieben: Nicht alle Startvoraussetzungen beim Doppeltasting waren gleich).

Beide Biere sind im Nachtrunk nicht nur fruchtig sondern auch würzig-pfeffrig. Letzteres trifft besonders auf den Hallodri zu, während das Craftwerk-Bier zusätzlich bitter und malzig schmeckt. Hinzu kommen beim Tangerine Dream noch grasige-krautige Noten.

Prädikat: Knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber mein Killermandarinen-Award geht nach München für die etwas bessere Mandarina Bavaria Kreation. 

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit. (Søren Aabye Kierkegaard)

Tasting: Maxbrauerei Altenstadt, Heller Maibock

Heller Maibock von der Maxbrauerei Braumanufaktur

Heller Maibock von der Maxbrauerei Braumanufaktur

Die Maxbrauerei Biermanufaktur wird aktuell gerade in der Zeitschrift “ALPS – Alpine Lebensart” zusammen mit fünf weiteren Klein- oder Craftbrauern aus drei Ländern vorgestellt. Eine kurze Preview des Artikel findet man unter “Hopfen und Malz” hier: http://www.alps-magazine.com/ Den kompletten Artikel im Heft gibt es wohl nur am Kiosk. Ein passender Anlass ein Bier dieser Brauerei vorzustellen. Mehr zur Brauerei gibt es hier zu finden: http://www.maxbrauerei.de/ Sehr gut gefällt mir die Idee jeden Monat ein spezielles Bier anzubieten. Aktuell steht das Summer Lemon Ale in Handel, im August folgt dann beispielsweise das Hazelnut Porter (ob das angesichts der aktuellen Temperaturen eine gute Idee ist muss sich dann zeigen).

Und auch wenn der Mai schon vorbei ist: Ein Maibock geht eigentlich immer. Das Bier kommt in einer 50 cl Bügelflasche daher. Haltbar bis 8. Aug. 2013. Es hat 13 IBU und 7,0 % vol. Die Brauerei beschreibt das Bier auf ihrer Website so: “Das Hopfenbouquet lässt passend zur Jahreszeit eine Frühlingswiese erkennen. Nach der Frühjahrsmüdigkeit kommt der helle Maibock gerade Recht um das Rad aus dem Keller zu holen, uns im Freien an der frischen Luft zu bewegen oder die ersten Sonnenstrahlen im Biergarten zu genießen.”

Das Bier zeigt sich orange-bernstein-Farben und mit “schmutzig-weißer” Schaumkrone. Die Blume ist zunächst fein- dann grobporig und nicht sehr lange haltbar. Dafür haftet der Schaum vorbildlich lange am Glas.

Das Aroma ist leicht sauer und malzig. Der Antrunk ist schlank und abgerundet, malzig-süß und es gibt dezente Hopfenaromanoten. Sehr sortentypisch und frühlingshaft – ohne pappig-süß zu sein. Der Nachtrunk ist leicht säuerlich, dezent-hopfenherb, eine malzige Restsüße gepaart mit leichter Frucht kommt ebenfalls vor.

Prädikat: Nicht das Original aus Einbeck – aber ein gelungener Maibock.

Tasting: Craftwerk Tangerine Dream India Pale Ale

Craftwerk Tangerine Dream - 0,33 l Flasche

Craftwerk Tangerine Dream – 0,33 l Flasche

Brandneu auf dem Markt: Die drei Craftbiersorten von Bitburger. Einen tollen Artikel dazu findet man bei Lieblingsbier.de: http://www.lieblingsbier.de/2013/07/18/bitte-ein-ipa-bitburger-begeht-einstieg-in-den-craft-bier-markt/

Auf jeden Fall ist das wohl kein Schnellschuss, denn hinter dem Projekt steht ein bekannter Mensch: “Verantwortlich für die Biere ist laut der Webseite übrigens „Braumeister Stefan“, welcher mit Sicherheit einiges an Wissen über spannende Biere mitbringt, da er Leiter des Klein- und Pilotsudwerks an der TU München war und ebenfalls als Juror beim World Beer Cup 2012 mit dabei war.” (aus dem o.g. Artikel bei Lieblingsbier.de)

Den Tasting-Anfang bei mir macht das Tangerine Dream IPA. Das Bier (der erste verkaufte Sud) ist bis 28. Juni 2015 haltbar – mehr als ordentlich für ein Bier mit 5,8% Vol. Es wird in 0,33 l Flaschen angeboten und ist aktuell wohl nur über die Website der Brauerei (http://www.craftwerk.de/) erhältlich. Ärgerlich ist daran eigentlich nur die Tatsache das man insgesamt mind. 12 Flaschen ordern muss (Die drei Sorten kann man natürlich bei der Bestellung mischen). Und das die Lieferung mit fast einer Woche etwas arg lang gedauert hat. Naja das wird vielleicht noch besser. Der Preis liegt mit 2,16 € inkl. anteil. Versandkosten im OK-Bereich. (Benchmark ist für mich hier nach wie vor der Riedenburger Dolden Sud mit 1,40 – 1,50 € pro Flasche – allerdings ohne Versandkosten o.ä.). Ob man auf Dauer mit dem Vertrieb nur über die Craftwerk-Website und auf Festivals / in Szenebars erfolgreich sein kann, muss sich zeigen. Passt aber vermutlich zur Marke und stört zudem die anderen “Konzernmarken” nicht.

Die Flasche ist modern und “stylisch” gestaltet, ganz bewusst gegen den “üblichen” Bierstil und ohne jegliche Nähe zum “normalen” Bitburger-Auftritt. Das man die eine oder andere Anleihe beim Stil der US-Craftbrewer genommen hat ist nachvollziehbar. Auf jeden Fall sticht das Design ins Auge. Sogar mein Sohn hat die Flasche im Kühlschrank bemerkt und lobend kommentiert. Und das kommt sehr sehr selten vor. Wobei wenn ihn das anspricht, könnte man in dem Design wohl auch erfolgreich Limo verkaufen 🙂   Lobenswert ist auf jeden Fall die transparente Zutatenliste. Es wird exakt geschrieben welches Malz und welche Hopfensorte(n) verwendet werden. Hier sind es Pilsner Malz, Karamellmalz, Münchner Malz und Weizenmalz. Und beim Hopfen der noch recht neue Mandarina Bavaria Hopfen. (Mehr dazu hier: http://www.lfl.bayern.de/ipz/hopfen/019190/index.php )

Eingeschenkt präsentiert sich das Bier orange-bernsteinfarben, hefetrüb, mit cremigem, feinporigem Schaum (weiß mit einem Hauch beige).

Das Tangerine Dream hat ein grasig-hopfig-zitroniges Aroma mit Anklängen von Kräutern und Südfrüchten. (Ein erster “Gruß” vom Mandarina Bavaria Hopfen). Die Rezenz ist angenehm und soft. Sortentypisch für ein IPA finde ich.

Der Antrunk ist Weizen-malzig, ziemlich bitter, sehr viele Zitrusfruchtaromen, frisch und insgesamt Sortentypisch. Geschmacklich ist der Nachtrunk ausgewogen, trocken, feinbitter, leicht hefig und mit einem Nachklang von Mandarine und Zitrone.

Fazit: Mich konnten bisher nicht allzu viele Biere mit Mandarina Bavaria Hopfen überzeugen (meine eigene Homebrew-Schöpfung eingeschlossen). Das IPA von Craftwerk zeigt aber was man mit diesem – wie gesagt noch recht neuen – Hopfen machen kann.

Prädikat: Auch wenn die Vermarktung an der einen oder anderen Stelle noch zu bemüht wirkt, das ist ein gelungenes leichtes IPA. Und hoffentlich ein positiver Impuls für Craftbeer aus und in Deutschland.

 

Der Feinschmecker schreibt über „Bier vom Feinsten“

Der Feinschmecker-Artikel zu feinen Bieren im Überblick

Der Feinschmecker-Artikel zu feinen Bieren im Überblick

Und das finde ich sehr gut. Zumal es für die Redaktion so wichtig ist, daß es auf der Titelseite groß angekündigt wird. Zu finden ist der Bericht in der aktuellen August 2013 Ausgabe ab Seite 88. So viel prominente und fundierte Aufmerksamkeit für das Thema Bier ist begrüßenswert.

Das was auf der Titelseite versprochen wird, hält der 5-seitige Artikel auch ein. Er ist mit viel Ambition und Sachkenntnis von Sylvia Kopp (http://www.bierbotschaft.de/ ) geschrieben. Sorgfältige und mit gutem Gespür ausgewählte Bierbeispiele / Probiertipps, die in die Rubriken

Fasslagerung (beispielsweise mit Camba Bavaria Amber Ale Rum)

Hefe (Tax X – Meine Sommer Weisse von Schneider)

Malz (Maisel & Friends Chocolate Bock als ein Beispiel)

und Hopfen (Imperial IPA von Fritzale, Hopfenstopfer Incredible Pale Ale)

eingeteilt wurden, runden das Ganze ab und liefern dem Leser konkrete Einkaufshinweise.

Es wird relativ viel erklärt (Wann / wo zu trinken und zu erwerben, welche Glasform, usw.). Einziger Kritikpunkt am Artikel ist für mich die Aussage „Die Möglichkeiten, sich als Brauer kreativ auszuleben, sind, verglichen mit denen eines Winzers, recht begrenzt, werden derzeit aber einfallsreich genutzt.“. Denn diese Aussage geht etwas zu weit. Auch dem Winzer sind in Sachen Wetter, Terroir und Rebsorte(n) durchaus Grenzen gesetzt. Wo da auf der einen Seite mehr Spielraum sein soll, als auf der anderen Seite, erschließt sich mir nicht. Das Reinheitsgebot als „Grenze“ in Deutschland hätte ich mir ja noch gefallen lassen, aber bei der Kellerarbeit an sich können m.E. Winzer und Brauer durchaus im gleichen Rahmen kreativ sein. Aber vermutlich wollte die Feinschmecker-Redaktion dann doch nicht zu weit gehen?!

Und etwas irritierend fand ich am Ende des Textes den Verweis auf das Bier-Angebot im hauseigenen Gourmet-Shop. Denn keines der im Artikel genannten Biere wird dort angeboten. Sondern „Charakterstarke Biere“ von der Augsburger Privatbrauerei Riegele. Verkauft wird ein Set mit vier normalen Bieren a 0,5 l (Herrenpils, Kellerbier, Urhell und Weisse) sowie zwei Edelbieren in der 0,75 l Champagnerflasche (Dubbel und Imperial IPA) für insgesamt 44 € (zzgl. 5 € Versandpauschale). Das ist zumindest dann okay, wenn man für das Dubbel und das IIPA die üblichen 24,90 bzw. 18,90 € bezahlen mag. Für den normalen Feinschmecker-Leser also vermutlich OK. Aber Schade das man beispielsweise nicht Hopfenstopfer und / oder Fritzale-Biere anbieten konnte oder wollte. Der Mehr-Aufwand (versch. Lieferanten / Brauereien) wäre es m.E. wert gewesen. Online findet man das Shop-Angebot hier: http://www.der-feinschmecker-shop.de/de/charakterstarke-biere-von-der-brauerei-riegele

 

Prädikat: Lesenswerter Artikel in einem angesehenen Magazin – garniert mit einem eigenartigen Shop-Angebot.

Die DLG veröffentlicht 2013er Bier-Testergebnisse als Buch

Zu finden ist das „Werk“ zum Preis von € 12,90 zum Beispiel hier:

http://www.pustet.de/shop/action/productDetails/20581682/dlg_genuss_guide_bier_2013_3769008227.html?aUrl=90008343

und hier: http://www.dlg-verlag.de/shop/product_info.php/info/p2167_DLG-Genuss-Guide-Bier-2012.html

Dazu heißt es dann in der Selbstdarstellung:

Über den Titel

Trends, Tipps, 656 prämierte Biere und eine Vielzahl deutscher Spitzenbrauereien im Porträt. Der neue Genuss-Guide Bier gibt einen Überblick über die aktuelle deutsche Bierkultur, vermittelt Wissenswertes rund um das Thema Bier und präsentiert die aktuellen Testergebnisse aus allen Bierregionen Deutschlands.

Im Fokus stehen regionaltypische und handwerklich gefertigte Biere der mittelständischen Braumanufakturen.

  • Spitzenbrauereien des Jahres 2013
  • Trends & Aktuelles
  • Termine und Veranstaltungstipps
  • Die besten Biere der DLG-Qualitätsprüfung
  • Regionale Braukultur & Spezialitätenbiere
  • Die schönsten Genussmanufakturen
  • Bier & Speisen
  • Biersorten im Porträt
  • Alles rund um Geschichte und Zutaten … und vieles mehr.“

Inhaltlich geht es im Buch – neben hinlänglich bekannten Informationen zur Biergeschichte und Bierherstellung – v.a. um die recht umfangreiche Vorstellung von ausgewählten Brauereien. Beim “Preis der Besten” (Gold) geht es z.B. um Brauereien die “über den Zeitraum von 15 aufeinanderfolgenden Kalenderjahren erfolgreich an den Prämierungen der DLG teilgenommen haben.” Also eher so eine Art Treuebonus-Preis der DLG. Wer beim “Preis der Besten” nicht dabei sein kann – z.B. weil man ein oder mehrere Jahre nicht am DLG Wettbewerb teilgenommen hat – der kommt offenbar im nächsten Kapitel “Braukönner” noch zu seinem Portrait. Ob das dann gegen Bezahlung passiert  (so a la “Redaktionelles Portrait ihrer Brauerei auf einer Seite mit 2 Bildern für X €uro”) oder nur von der Anzahl eingereichter / prämierte Biere abhängt erschließt sich mir nicht. 

Danach werden noch die wichtigsten deutschen Biersorten samt Charakteristika vorgestellt. Dann folgt auf rund 60 Seiten der Tabellenteil mit allen ausgezeichneten Bieren. Den Abschluss bildet Glossar mit dem Namen “Das kleine Bierlexikon”.

Der Kern des Buches ist meiner Meinung nach aber der Teil mit den 656 prämierten Bieren. Und den finde ich etwas fragwürdig. Das Ganze ist schon deswegen Zweifelhaft, weil es laut DLG (http://www.dlg-verbraucher.info/de/testergebnisse/bier.html ) rund 5.000 verschiedene Biere in Deutschland gibt. Davon nehmen an der Prüfung und Prämierung nur rund 800 Biere teil (sprich: Werden eingereicht). Interessent wäre zu erfahren ob die niedrige Quoten an den mit der Einreichung verbundenen Kosten oder am Ruf des Wettbewerbs liegt. D.h. nur ca. 16% aller Biere sind bei dem jährlichen Test dabei. Und das ist eine etwas kleine Auswahl. Richtig traurig wird die Sache, wenn man z.B. bei der Bierregion Franken schaut wer da alles nicht teilnimmt: Keine einzige Brauerei aus Nürnberg, Bayreuth, Bamberg (sic!), Coburg und Amberg. Und auch bei den Brauereien vom Land sieht es mager aus. Meiner Schätzung nach sind nur zehn Brauerein aus Franken am Start. Warum bloß ? Nur die Angst vor schlechten Beurteilungen kann es ja wohl nicht sein.

Und vollends die Tränen in die Augen treiben mir dann die Ergebnisse der Discounterbiere. Norma und Netto (beide aus Bayern) haben richtig abgeräumt. 13 x Gold, 3 x Silber und 1 x Bronze für diverse Burgkrone und Kaiserkrone Biere von Norma. 11 x Gold und 6 x Silber für die Grafensteiner, Schloss und Meisterfels Biere von Netto.

Hinzu kommen für Edeka 4 x Gold, 2 x Silber und 2 x Bronze, für Lidl 9 x Gold und 4 x Silber und last but not least 1 x Silber für Penny.

(Oettinger mit lediglich 2 x Gold und 1 x Silber habe ich da ganz bewusst gar nicht mitgezählt)

Mit den o.g. Ergebnissen liegen Netto und Norma mehr oder weniger gleichauf mit namhafteren Brauereien wie Riegele (13 x G, 3 x S), Auer Bräu Rosenheim (8 x G, 3 x S) oder Alpirsbacher (11 x G und 5 x S).

Und auch in % betrachtet wird das Ergebnis kaum erträglicher: 800 Biere wurden eingereicht, davon wurden 656 Biere (also 82%!!) ausgezeichnet. (Wobei Bier mit 18% nicht-prämierten Produkten offenbar relativ schlecht abschneidet ==> Siehe Wikipedia-Zitat weiter unten im Text !)  Es gab 458 Goldmedaillen. D.h. 57,3% aller Einreichungen und 70% aller prämierten Biere erhielten Gold. Nicht weniger als 8% aller Gold-prämierten Biere bzw. 8,54 % aller prämierten Biere findet man für kleines Geld als Eigenmarken beim Discounter. Wenn das die o.g. „Spitzenbrauereien“ und die „aktuelle deutsche Bierkultur“ repräsentiert, dann sag ich nur noch Prost. 

 

Das Buch muss man übrigens nicht nur wegen des Inhalts nicht kaufen. Man findet – wenn auch wenig nutzerfreundlich – die Ergebnisse hier: http://www.dlg-verbraucher.info/de/testergebnisse/bier.html

Einen lesenswerten Artikel zum Thema der auch das Thema DLG Biertest anspricht findet man hier: http://aktiongutesbier.de/der-preiskampf/

 

Mein Fazit: Statt sich über die DLG-Biermedaillen zu ärgern ist es vielleicht einfach an der Zeit einen Verbraucher-Bierpreis auszuloben. Mit Unterstützung von Getränke-Zeitschriften und / oder Bier-Portalen sollte da doch eigentlich was gehen oder ? Vielleicht hören dann auch die ambitionierteren Brauereien, die am DLG-Test teilnehmen, damit auf mit ihren Gold- und Silbermedaillen zu werben. Denn ganz ernst nehmen kann man das eigentlich nicht.

DLG Genuss Guide 2013 Bier

DLG Genuss Guide 2013 Bier

Noch etwas Hintergrundinfo zur DLG (aus Wikipedia.org)

„Das DLG-Testzentrum Lebensmittel in Frankfurt am Main prüft jährlich etwa 27.000 Lebensmittel aus dem In- und Ausland. Dazu gehören Brot und Backwaren, Bier, Wein, Fleischerzeugnisse sowie Milchprodukte. Die Lebensmittel werden hauptsächlich sensorisch geprüft, also nach Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz beurteilt. Weitere Prüfungen, etwa Zubereitungsprüfungen, Verpackungs- und Kennzeichnungsprüfungen sowie chemische, mikrobiologische und physikalische Tests, finden nur ergänzend und stichprobenartig statt. Produkte, die ‘keine Abweichung von den Qualitätserwartungen’ erfüllen, erhalten die Bestnote. Fast alle getesteten Lebensmittel (80% bis 95%) erreichen eine Gold-, Silber- oder Bronze-Prämierung. Die Ergebnisse werden seit November 2012 auf einer eigenen Internetseite veröffentlicht

Die DLG stand zuletzt in der medialen Kritik. Im Mittelpunkt der Berichterstattung standen vor allem Abweichungen bei der Bewertung einzelner Produkte durch die DLG und durch die Stiftung Warentest. Zudem wurde der große Anteil an ausgezeichneten Produkten (DLG-Medaille in Gold, Silber, Bronze) hervorgehoben. Der Anteil nicht DLG-prämierter Produkte schwankt je nach Produktbereich zwischen fünf und zwanzig Prozent.“

Und etwas später: „Der Produktionsprozess wird – ebenso wie bei den meisten Lebensmitteltests der Stiftung Warentest – nicht überwacht oder geprüft. Diese Tatsache hatte im Januar 2012 im Zusammenhang mit dem “Müller-Brot-Skandal” zu Irritationen geführt: “Müller-Brot” erhielt 2011 für insgesamt 14 Produkte DLG-Gold. Die DLG erkannte nach Bekanntwerden der hygienischen Zustände bei Müller-Brot die Medaillen ab.“