Tasting: Wittmann Landshuter Hochzeits Märzen

Seit gestern (28. Juni) findet sie wieder statt: Die Landshuter Hochzeit. So wie alle vier Jahre. Und so gibt es jetzt anlässlich vom Fest erstmals (?) ein spezielles Märzenbier der Brauerei Wittmann aus Landshut.

Mehr zur Brauerei findet man hier: http://www.brauerei-wittmann.de/news

Mehr zum Fest hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Landshuter_Hochzeit und hier: http://www.landshuter-hochzeit.de/

Die Flasche zeigt – eh klar – ein historisches Motiv der Landshuter Hochzeit. Ansonsten erfährt man weder auf dem Etikett noch auf der Website etwas “mehr” über das Bier. Ist es z.B. nach einem historischen Rezept gebraut ? Wäre ja nett und passend / angemessen. Alles leider Fehlanzeige. So bleibt leider der Eindruck: Reiner Marketing-Gag um das Bier zu vermarkten.

Das Bier hat 5,5 % vol. und ist ein klassisches Fest-Märzen. Optisch kommt es mit dunkel-goldener Farbe daher, es ist klar und mit feinporigem, cremigen, weißem Schaum versehen.

Geschmacklich: Ein klassisches malzbetontes, süßliches Märzen mit wenige Fruchtigkeit, Bitterkeit oder gar herben Noten. S-ü-f-f-i-g ist das Wort das einem sofort und durchgängig in den Sinn kommt. Die Rezenz ist ganz dezent prickelnd. Das Bier ist von Anfang bis Ende malzig-süßlich. Auf die Dauer vielleicht etwas nervig, aber wie könnte man ein Mittelalter-Fest ohne so ein Bier überstehen ???

Prädikat: Gut das die Landshuter Hochzeit nur alle vier Jahre ist – somit gibt es dieses Märzen auch nicht zu oft. 😦

Tasting: Hopfull Hallertauer Pale Ale

Diese Bier aus meiner Nachbarschaft (Landkreis zählt noch dazu) ist noch sehr sehr neu. Aber nachdem ich heute früh erfolgreich auf Bier-Jagd war (fündig geworden bin ich bei http://www.xn--appel-getrnke-kfb.de/  in Au) kann ich das Bier gleich verkosten und vorstellen.

Erste Infos zum Bier findet man hier: http://www.auerbier.de/hopfull.htm

Über das Bier sagt die Brauerei selbst: “Gebraut wurde Hopfull mit heimischen Malzen, obergäriger englischer Ale-Hefe und mit den Hopfensorten Hallertauer Saphir, Hallertauer Perle, Hallertauer Hersbrucker und Saazer. Typisch für das IPA ist die letzte, späte Hopfengabe (Aromahopfen Saphir) erst bei der Lagerung des Bieres, die der Brauer „hopfenstopfen“ nennt. Hopfull ist mit 6,9 Volumen-Prozent Alkohol im mittleren Bereich dieses Biertyps einzuordnen und weist 60 Bittereinheiten auf. Das Hopfull gibt es in Kürze in der 0,33l-Flasche im gut sortierten Getränke-Fachhandel und ausgesuchten Gastronomien.”

Gut gefällt mir das auch eine mittelständische Brauerei den “Mut” zum IPA und zu – eigentlich eher – ungewöhnlichen Bierstilen aufbringt.

Die Gestaltung vom Flaschenetikett finde ich auf der Vorderseite nicht wirklich gelungen. Ist mir zu “zwanghaft-jugendlich”. Aber auf der Rückseite gibt es sehr viel über das Bier und seine Zutaten zu erfahren (siehe oben). Vorbildlich.

Der Preis den ich im Einzelhandel bezahlt habe (der Verkäufer hat mich extra “gewarnt”: “Des kost fei 1,99 € pro Flasche….plus Pfand!!!” ) finde ich, gemessen an manchen anderen IPAs aus Deutschland, in Ordnung.

Das Bier selbst ist ebenfalls OK. Die Farbe ist rotgold und klar. Der hautfarbene Schaum ist cremig und feinporig, leider aber nicht sehr stabil. Der Geruch ist relativ rein, leicht karamellig und mit einem ersten Kräuter-Hauch versehen. Der Antrunk ist relativ schlank, vollmundig mit etwas Malz. Angenehm weich und mit vielen grasigen Kräuteraromen kommt das Bier daher. Die Rezenz ist angenehm,frisch und sortentypisch “ruhig”. Der Nachtrunk ist trocken, feinherb bis feinbitter und wenig bis gar nicht fruchtig.

Ein bisschen habe ich den Eindruck man hat dieses Hallertauer IPA in Richtung des Geschmacks von Pilstrinkern getrimmt. Bei den verwendeten Hopfensorten eigentlich kein Wunder. Schade, denn etwas mehr Mut zur Fruchtigkeit würde dem Bier – sortentypisch – ganz gut bekommen.

 

Prädikat: Herb-Kräuterwürzige IPA-Variante aus der Hallertau. Eher so eine Art Indian Pils Ale.

 

Tasting: Sierra Nevada Torpedo Extra IPA

Diese Wuchtbrumme von einem Bier gibt es neuerdings (?) beim Kaufhof am Stachus. Für relativ kleines Geld. Mehr zur Brauerei und zum Bier findet man hier: http://www.sierranevada.com/

Es gehört mit einer durchschn. Bewertung von 3,74 (auf einer Skala von 0-5) zu den besseren, aber nicht zu den Top 50 IPAs auf der Welt. Und es wurde von über 2.300 Leuten bewertet. (auf der Ebene liegen von den deutschen Bieren wohl nur Weihenstephaner und Franziskaner Weissbier).

Die 350 ml Flasche ist für das deutsche Auge etwas ungewohnt aber OK. Das Etikett strotzt nur so vor vielsprachigen Best Before und Zutaten-Aufzählungen. Viel erfährt man über das Bier leider auch nicht. Nur das “Purest Ingredients” verwendet werden. Und das man “Finest Quality” produziert. American Craft Beer goes Fernsehbier … oder was ?

Dafür kann der “Stoff” inhaltlich” auf ganzer Linie überzeugen. Optik: Amber-orangefarben. Mit feinporigem, weißem Schaum.

Geschmacklich weniger fruchtig und dafür mit Noten von Kräutern & Gewürzen. Fichten- und Pinienaromen kommen deutlich rüber. Sehr schön bitter und herb – wenig Fruchtigkeit. Natürlich auch Zitrusaromen kombiniert mit einer leichten Malznote. Aber der Hopfen bestimmt ganz klar die “Marschrichtung”. Der Antrunk ist frisch, bitter und würzig aber nicht würzeartig. Die Rezenz ist angenehm spritzig – fast etwas zu bizzelig für meinen IPA-Geschmack. Der Nachtrunk ist trocken, feinbitter und (hopfen-)herb.

Prädikat: Intensives IPA mit massivem Hopfenaroma – ganz ohne Cascade-Hopfen-Nerv-Faktor.

Tasting: BraufactuM Darkon Schwarzbier

Eventuell ist das ja sogar ein Bier aus Bayern? Bei der Oetker-Brau-Gruppe weiß man ja nie so genau wo das Bier herkommt. BraufactuM residiert als “Die internationale Brau-Manufacturen GmbH” jedenfalls in Frankfurt. Aber nicht jedes (?) ihrer 11 Biere wird dort hergestellt. Mehr gibt es hier: http://www.braufactum.de/

Auf dem Etikett der neu ausgestatteten Flaschen steht jetzt neuerdings nicht mehr “Braufactum  –  Feine Bierkultur” sondern  “Braufactum   –   Das Craft Bier”. In meiner alten Firma hat man so ein Verhalten gerne als Namedropping bezeichnet! Guckstu hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Namedropping

Neu ausgestattet heißt in dem Fall auch: 0,65 l Flaschen. Eigentlich eine nette Größe. Aber ich habe das Gefühl man hat zeitgleich an der Preisschraube gedreht (nach unten gar ?)

Etwas “affig” finde ich die gedruckte Unterschrift des Braumeisters – in dem Fall die von M. Rauschmann. Dem BraufactuM-Chef. Aber nachdem ich oft und gerne über zu wenig Transparenz auf den Bieretiketten der Brauereien motze, muss ich hier mal ein Lob aussprechen: Klar ist auf dem Etikett auch a bisserl Marketingblabla. Aber der Genießer erfährt bei den Braufactum-Bieren sehr viel über das Bier. Konkret beim Darkon welche Malzsorten (Münchner Malz, Karamellmalz, Röstmalz) verwendet werden und welcher Hopfen zum Einsatz kommt (Magnum, Saphir). B-r-a-v-o. So lob ich mir das. Stimmig und edel ist das Ganze eh. Also mein Rat an die anderen Brauereien: Nachmachen.

Das Bier selbst präsentiert sich im Glas ebenfalls gut. Klar und schwarz mit ein paar roten Blitzern. Toller fester, feinporiger, cremiger brauner Schaum der sehr stabil ist. Geschmacklich sehr schön bitter und röstig. Ein bisschen Schwarzbrot und Karamell kommt durch. Natürlich sehr malzaromatisch und kräftig. Und überraschend süß für ein Schwarzbier ist das Bier. Der Antrunk ist vollmundig und malzaromtisch. Trotz der Süße durchaus Sortentypisch. Die Rezenz ist angenehm aber keinesfalls spritzig oder gar prickelnd. Der Nachtrunk ist kräftig und feinbitter.

Prädikat: Gutes Schwarzbier – leider relativ teuer.

Die SZ schreibt über die aktuelle Werbekampagne der Schlossbrauerei Kaltenberg

Die Idee John Cleese zu engagieren (sowie seine deutsche Synchronstimme für die Radiospots) finde ich toll. 

Mehr zur Kampagne findet man hier: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/john-cleese-macht-bier-reklame-monty-pythons-wunderbare-welt-der-werbung-1.1703700

Lediglich die Aussage in einem der Radiospots das man mit Hilfe des (selbst verordneten) Weissbiermonopols einen  “uneinholbaren Geschmacksvorsprung” hat, finde ich einfach nur daneben. 

Tasting: Aldersbacher Klosterhell

Seit 1268 … sagt das Etikett der Brauerei Aldersbach. Mehr verrät die Website http://www.aldersbacher.de/startseite/   “Die Brauerei Aldersbach blickt auf eine lange Tradition zurück: Bereits 1268 wurde sie erstmals in einem Schiedsbrief des Grafen Albert von Hals an die Mönche des Klosters erwähnt. Damals handelte es sich noch um eine kleine Braustätte, die hauptsächlich Bier zum Privatgebrauch herstellte.

Die Säkularisation 1803 traf auch Aldersbach; Brauerei und Kloster wurden verkauft. Im Jahre 1811 erwarb die Familie des Frhr. von Aretin die Anlage und verhalf der Brauerei stetig zu wirtschaftlichem Erfolg.

Heute stellt die Brauerei Aldersbach 13 verschiedene Biersorten her. Ständige Produkterweiterungen und Modernisierung der Braustätte (z.B. das neue Sudhaus und die Füllerei) machen die Brauerei Aldersbach zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen.”

Das Bier kommt aus Niederbayern. Genauer gesagt aus Aldersbach – das zwischen Deggendorf und Passau liegt.

Das Flaschenetikett erzählt dem Biertrinker leider sehr wenig über die Brauerei und das Bier. Auf der Vorderseite sieht man einen (stilisierten) Mönch oder Abt mit einem Bierkrug, was in Sachen Klosterhell natürlich stimmig ist, aber auch etwas langweilig.

Zum Bier: Die Optik ist seht gut. Viel stabiler feinporiger weißer Schaum der am Glas haften bleibt. Goldgelbe klare Farbe. So soll ein gscheids Helles aussehen.

Der Geruch: malzaromatisch, leicht süßlich und ein Hauch von Kräutern.

Geschmack: Der Antrunk ist (überraschend) leicht und schlank. Fast schon dünn. Malzaromen stehen im Vordergrund. Die Rezenz ist angenehm und sortentypisch. Der Nachtrunk ist etwas säuerlich und trocken. Wenig bis keine Hopfen-Noten. Somit bleibt geschmacklich ein etwas dünner und fader Eindruck zurück.

Prädikat: Bestenfalls ein durchschnittliches Helles – die Perle niederbayerischer Braukunst ist das jedenfalls nicht.

Trockentasting: Das Buch Bier & Genuss – Rezepte, Tradition und Lebensart

Noch ein Buch zum Bier. Schon ein paar Tage auf dem Markt. Von den Autoren Sandra Ganzenmüller und Sebastian Priller-Riegele. Erschienen im blv-Verlag, München. Zu finden ist es z.B. hier: http://www.amazon.de/Bier-Genuss-Rezepte-Tradition-Lebensart/dp/3835411101/

Das Buch ist zweigeteilt. Im ersten Drittel geht es um Geschichte, Braukunst, Biernationen, Biergenuss und Bierverkostung sowie die richtige Kombination von Bier und Speisen.

Auf den restlichen 90 Seiten gibt es 60 Rezepte. Mit vielen schönen Bildern. Die Rezeptempfehlungen kommen auffallend häufig von Mitarbeitern der Brauereien die bei den Freien Brauern organisiert sind. Auch die Biere die in den Rezepten als Zutat genannt werden kommen von den Mitgliedern der Freien Brauer… im TV würde es spätestens jetzt den „Warnhinweis“ „Unterstützt durch Produktplatzierungen“ geben. (http://de.wikipedia.org/wiki/Product-Placement)

Das Ganze breitet sich also auf insgesamt rund 170 Seiten aus. Wenn man die vielen großformatigen Rezeptfotos abzieht also a bisserl wenig für die 19,99 € die man für das Buch auf den Tisch legen darf. Zudem darf man auf mehr als einer großformatigen Doppelseite der Autorin und dem Co-Autor beim Bierverkosten /-trinken zusehen. Warum eigentlich ?

Inhaltlich schwankt das Werk zwischen bekannten allgemeinen Informationen über das Bier und seine Geschichte, seine Inhaltsstoffe usw. Also Inhalte die man in ähnlicher Qualität auch Web z.B. bei Wikipedia findet. Zur echten Hochform läuft das Buch bei den Themen Biersorten (aus Deutschland) und ihre Charakteristika und etwas später beim Thema „Biergenuss“ und Sensorik auf. Da geht es dann recht detailliert um die richtigen  Biergläser, um Verkostungsbögen und Beurteilungskriterien. Leider umfassen diese beiden Bereiche „nur“ knapp 17 Seiten. Und dann folgt bereits der umfangreiche Rezeptteil.

Für den ist Koch Bernd Arold zuständig über den die SZ schreibt: >>> Für einen, der früher im Backöfele das Süpple umrührte, hat Bernd Arold eine wahrhaft bewegte Karriere hinter sich. Münchner Abenteuergourmets kennen ihn aus dem Essneun, wo er von 2002 bis 2007 die wildesten Kreationen auf den Tisch brachte. Nach Lehrjahren zuvor in der Käferschänke oder den Schweizer Stuben in Bettingen hatte er in den 3 Stuben in Meersburg den Großmeister der Schule der Jungen Wilden, Stefan Marquard, kennengelernt und war ihm damals als Chef Tournant ins Münchner Restaurant Lenbach gefolgt. Seit Juli 2008 führt Bernd Arold nun sein erstes eigenes Restaurant, den Gesellschaftsraum. Hier tragen seine Crew und er tapfer jene Insignien, die man offenbar benötigt, um in die feine Gesellschaft der Wilden Köche aufgenommen zu werden: grobe Ohrringe, Tätowierungen, Wollmütze harmonierend zu Ziegenbart und dunklem Arbeiterhemd mit rotem Stern. <<<

Natürlich fehlt auch eine Story zum Thema „Die neue Generation“ nicht. …aber da wird es inhaltlich dann arg abenteuerlich.  Der Beitrag startet mit  „Während in vielen Brauereien Marketingabteilungen das Kommando in Sachen Gerstensaftkreation hinsichtlich Aussehen, Design, Menge und Vermarktung führen, hat eine neue Generation von Brauern und Bier-Querdenkern nur noch eines im Kopf: Bier.“

Zwei Absätze später heißt es dann aber: „Wenn die Brauer sich beim Marketing engagieren, ist auch Unmögliches möglich. Bier-Querdenker reißen nicht nur Denkmauern ein, sie überwinden die Wälle ihrer Bierkeller. Brauer trifft Brauer und gemeinschaftlich werden an fremden Sudkesseln Ideen für ungewöhnliche Biere entworfen. Das Ergebnis ist ungewiss, aber allein so schon ein Gewinn für die deutsche Braukultur.“

Ja was denn nun. Marketing JA oder Marketing NEIN ?

Noch bunter wird es dann im letzten Absatz: „An der Spitze dieser Entwicklung findet man meist familiengeführte Brauereien. Die Vereinigung der Freien Brauer ist dafür ein Beispiel.“ Das erstaunt mich dann schon. Würde man doch bei der Spitze der Bier-Querdenker und Craft-Bier-Vorreiter eher an BraufactuM (garantiert KEIN Beispiel für eine familiengeführte Brauerei!) oder an Camba Bavaria oder eben an die kleinen Brauer wie Pax-Bräu, Schoppe-Bräu, Hopfenstopfer, Fritz-Ale, Braustelle Köln, usw. denken. Aber eher nicht an die überwiegend eher brav-biederen 39 Mitgliedsbrauereien der Freien Brauer. Ja es gibt unter den Mitgliedsbetrieben auch mehr oder weniger kreative Ausnahmen: Maisel’s, Welde, Neumarkter Lammsbräu, Riegele (die Brauerei spielt im Buch übrigens eine extreme Hauptrolle), Schneider Weisse, Störtebecker und last but not least Stiegl aus Österreich. Aber der Rest ist doch sehr traditionell unterwegs.

Die Presse-Ansprechpartnerin der Freien Brauer ist übrigens laut deren Website http://www.die-freien-brauer.com/presse/pressekontakt.html die Buchautorin Sandra Ganzenmüller. Das Buch ist also offenbar vorbildliche PR-Arbeit für die Freien Brauer und für Riegele. Aber dafür als Endverbraucher Geld ausgeben?

Sehr einseitig ist m.E. die Beschreibung der „großen Biernationen“. Insbesondere die Entwicklung in den USA wird unzulänglich oder gar falsch wiedergegeben: „… Im Schatten gigantischer Lagerbier-Konzerne ist eine lebendige Landschaft an Micro-Breweries, Kleinstbraueren und Craft-Brauern herangewachsen. Hier gilt der Grundsatz der unbegrenzten Möglichkeiten. Nichts ist schräg genug, als das es nicht ein Bier werden könnte. Meist ausgehend von einer obergärigen Braubasis wird experimentiert mit extremer Hopfung, Holzfasslagerung jeglicher Couleur oder Zutaten die dem Reinheitsgebotsbrauer das Bier aus dem Fass springen lassen. Biere von 80 und mehr Bittereinheiten (üblich sind in deutschen, bitteren Bierstilen wie Pils maximal 45), Biere mit auf Kohlensäure tanzenden Früchten oder Biere mit unglaublichen Preisen von mehreren hundert Dollar sind keine Seltenheit. Die Brauer solcher Biere erheben übrigens fast nie den Anspruch, ihr Bierexperiment wiederholen zu können. Und nicht selten ist deshalb jede Flasche aufs Neue eine Überraschung. …“ Das greift m.M.n. aber zu kurz. Hier wird zu einen der hohe Professionalisierungsgrad vieler Craft-Breweries einfach unterschlagen. Und ebenfalls unterschlagen wird der Fakt das bei den beiden wichtigsten Bier-Awards (dem World Beer Cup http://www.worldbeercup.org/winners  und dem European Beer Star Award  http://www.european-beer-star.de/) die Brauer aus den USA auch und gerade Gewinnerbiere in den klassischen deutschen Kategorien stellen. Beispiele aus der aktuellen Awardliste des World Beer Cups: Die Sieger beim „German Style Märzen“ und beim „German Style Schwarzbier kommen aus Colorado, der Sieger beim „German Style Pale Wheat Ale“ kommt aus Tennessee, usw.

Prädikat: Das Buch ist – trotz einiger guter Ansätze und Abschnitte – v.a. der Versuch eine Werbe-Broschüre der Freien Brauer und der Brauerei Riegele samt nutzwertigem Rezeptteil für 20 Euro über den Buchhandel zu verkaufen. Wer das mag, sollte es kaufen. Ansonsten findet man bessere Bücher zum Thema Bier.

Tasting: Echt Ammerseer Lager Hell

Sechs Biersorten stellt das kleine Brauhaus in Inning am Ammersee her: Lager Hell, Weissbier, Märzen, Ammersee Südwind (oberg. Ale), Festbier und last but not least das Starkbier Amminator. Mehr zum Bier und Brauhaus findet ihr hier: http://www.ammerseer-brauhaus.com/

Das Lager Hell in der 0,5 l Bügelflasche und mit alc. 5,3 % vol. habe ich mir heute “vorgenommen”.

Das Etikett sieht schlicht und etwas laienhaft gestaltet aus. Das Brauereilogo zeigt eine “Ammerseer Maid” mit Bierfass. Naja. Da kann man noch dran arbeiten.

Nicht mehr viel zu arbeiten ist am Lager Hell. Das ist so süffig-spritzig wie ein Helles sein soll. Klare gelbgoldene Farbe, Feinporiger weißer Schaum – wenn auch nur begrenzt stabil. Das Aroma malzaromatisch und leicht stumpf / dumpf. Der Antrunk ist vollmundig und malzig mit einer Spur Würzigkeit. Sortentypisch und gut. Die Rezenz ist angehm frisch und ebenfalls so wie man es von einem guten Hellen erwartet. Der Nachtrunk ist ausgewogen und mit einem Hauch Hopfenbittere versehen. Im Vordergrund steht auf jeden Fall eine klare Malzigkeit.

Leider ist das Bier schwierig zu bekommen: Direkt ab Brauerei und m.W. an einigen wenigen Verkaufstellen in und um Inning. Schade denn das Bier hätte es durchaus verdient auch “jenseits des eigenen Kirchturms” angeboten und getrunken zu werden.

Prädikat: Feines Helles aus (noch) unbekannter Micro-Brauerei

Trockentasting: Das Buch “Bayern genießen Bier – Vom Reinheitsgebot bis zur Kopfüberzapfung”

Noch ein Buch zum Bier. Herausgegeben vom Bayr. Rundfunk im Volk-Verlag, München. Zu finden ist es z.B. hier: http://www.amazon.de/Bier-Vom-Reinheitsgebot-bis-Kopf%C3%BCberzapfung/dp/3862220869/

Das Buch ist – der Titel nimmt es ja vorweg – ausschließlich auf Bier in und aus Bayern fokussiert. In sieben Kapiteln wird ein nahezu kompletter Streifzug durch die bayr. Bierlandschaft unternommen. Los geht es mit dem Kapitel „Geschichte und Tradition“, dann folgen „Orte und Landschaften“, „Ausflüge und Visiten“ sowie das etwas skurrile „Rituale und Rekorde“ (in dem der offenbar  unvermeidbare  „Bier-Weltmeister“ Sebastian Priller das ebenso unvermeidbare Bierstacheln vorführen darf). Nachdem es „nur“ um Bier aus Bayern geht, kommt zumindest der „Bier-Papst“ nicht vor. Dann folgt das Kapitel „Originale und Absurditäten“ in dem dann auch „Starke Frauen, starkes Bier“ zu ihrem unverdienten – weil Frauen und Bier m.E. nicht zu den Absurditäten gehören – Auftritt kommen. Es sind überraschenderweise nicht die Holladierbierfeen die dort vorgestellt werden, sondern das Mutter-Tochergespann der Brauerei Friedmann aus Gräfenberg in Oberfranken sowie die schon bekanntere Schwester Doris von der Klosterbrauerei Mallersdorf. Immerhin. Dann noch die Rubrik „Prosa und Lyrik“ (etwas Kultur MUSS sein) und last but not least „Leib und Seele“ mit Beiträgen zu „Bier und Kalorien“, Doppelbock und Schokolade im Duett und Informationen zur korrekten Bier-Trink-Temperatur.

Das Ganze breitet sich auf insgesamt 260 Seiten aus. Viel Lesestoff also für die 15,90 € die man für das Buch auf den Tisch legen darf. Inhaltlich schwankt das Werk zwischen Allzu-Bekanntem wie der Erfindung von Radler und Russ’n und Obazdn oder der Hallertau und dem dort wachsenden Hopfen im größten Hopfenanbaugebiet der Welt sowie einigen etwas sehr schrägen Beiträgen (Ein Finanzbeamter aus Freising trägt 23 gefüllte Bierkrüge 40 m weit….gehört das nicht in die Tageszeitung in die Rubrik “Buntes” ?) und wirklich interessanten und m.E. neuen Inhalten. Wie zum Beispiel über die Brauerei Röhrl aus Erharting, die im Winter immer noch ganz traditionell Eisblöcke aus dem Weiher schneidet um ihr Bier im Sommerkeller zu kühlen. Oder der Bericht über die Zwerg-Brauerei im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Oder das Portrait der Faustbrauerei aus Miltenberg die sogar einen eigenen Brauerei-Laden betreiben.

Natürlich fehlt auch eine Story zum Thema „Laie bzw. Freunde gründen eine (Hobby-) Brauerei“ nicht. Gibt es sogar gleich zweimal: Einmal die Geschichte der sechs Freunde vom Baderbräu in Schnaitsee und dann noch das Portrait von Manni Fritsch und seinem Berabecka Boandlbräu (http://www.boandlbraeu.de/index.php) – dem „Bier-Revoluzzer aus Aichach“.

Auch wenn nicht jeder Beitrag originell oder neuartig ist (manches lag wohl schon etwas im BR-Archiv und musste jetzt weg), so lohnen sich die rund 16 € für das Buch. Mir fehlt eigentlich nur und v.a. ein Beitrag über die neuen Biere und die Menschen die sich für das Thema Craft-Beer engagieren. Denn es gibt es ja mit der Camba Bavaria, der Schönramer-Brauerei oder Pax-Bräu aus Oberelsbach auch spannende Bespiele aus Bayern. Schade das man diesen Aspekt gar nicht berücksichtigt hat.

Prädikat: Zum Preis von einem Kasten Weissbier gibt es vielfältige Informationen für Bier-Kenner und Bier-Novizen.