Tasting: Prairie Artisan Ales Funky Gold Amarillo – a dry hopped Sour Ale

Ist das Kunst oder kann das weg ?

So muss es wohl einem normalen “ich trinke eigentlich alles” Biertrinker aus München gehen, wenn man ihm dieses Bier an seine Nase halten würde. Denn unter “mir schmecken alle Biere” versteht diese Spezies ja dann konkret: Augustiner Hell UND Tegernseer Hell UND Franziskaner Weissbier. Ähem.

Ich stelle mir dann immer vor wie so ein “Bierexperte” mit einem Sour / Wild Ale umgehen würde. STOP. Zurück zu unserem snobby Craft-Bier Tasting.

Denn dieses Bier riecht doch sehr deutlich nach Weisswein, etwas Essig-haftes und Nadelbaum-artiges kommt durch. Sehr viel Säure ist im Spiel. Ein Bier für Weintrinker und nicht für Biertrinker.

Die Farbe ist blassgelb, gleichmäßig trüb und der Schaum ist mächtig – fast schon gushing-artig und weiß.

Im Antrunk ist das Bier relativ leicht, etwas ölig und die Rezenz mit ziemlich viel Kohlensäure gesegnet.

Der Nachtrunk ist betont säuerlich und trocken mit einem Hauch von Frucht.

Mein Prädikat: Sauer macht lustig – auch wenn das Bier aus Oklahoma kommt. Ideal für den Sommer und nix für Tegernseer-Bier-Connaisseure. Cheers.

Tasting: India Pale Ale von der Brauerei Lemke aus Berlin

Heute ein – nein DER Klassiker unter den India Pale Ales aus Deutschland. Denn dieses IPA gibt es schon seit ca. 10 Jahren. Bei Ratebeer stammt das erste Rating dieses Bieres aus dem August 2005! Da war von einer Craft-Bier-Bewegung in Deutschland oder einer Pale-Ale / India Pale Ale Welle noch garnix zu ahnen.

Gebraut mit Amarillo, Cascade, Simcoe und Galaxy-Hopfen. 60 IBU (Bittereinheiten) 16,5 Plato (Stammwürze) und 6,5% Alkohol.

Schönes dunkles Gold im Glas. Leicht trüb und mit einer cremigen leicht beigen Schaumkrone. Der Schaum ist stabil und feinporig.

Das Aroma überzeugt sofort mit viel Citrus- und Grapefruit-Noten. Hinzu kommt etwas Nadelholz / Fichte sowie ein Hauch von Getreide.

Der Antrunk ist schlank, vollmundig und frisch. Relativ weich und sortentypisch “knackig” kommt das Bier daher.

Die Rezenz ist frisch / leicht spritzig. Bekommt dem Bier aber sehr gut.

Der Nachtrunk ist rund, fruchtig, harmonisch.

Mein Prädikat: Der Methusalem unter den deutschen IPAs kommt frisch und fruchtig daher. Das Bier ist leider wenig bekannt – dabei hätte es deutlich mehr Aufmerksamkeit durchaus verdient.

Tasting: Dunkle Materie (Black IPA) von Brew Age aus Wien

Okay okay das Bier kommt eigentlich von der Brauerei Gusswerk aus Salzburg. Aber hey das Bier ist ein “Homerun” in Sachen Craft Beer. Aber die Brauerei / Braufirma sitzt in Wien. 

Auch wenn ich zugeben muss: Ich bin ein Black IPA Fan. Dieser Bierstil hat es mir angetan. Und ich weiß das es ein Stil ist, der nicht jedem Biertrinker zusagt: Das Bier hat den WOW Faktor. 

Das Bier kommt in einer 0,33 l Flasche daher, das Etikett ist pechschwarz und mit etwas Mühe (es ist meinem Alter geschuldet) kann man darauf die Buchstaben “Dunkle Materie” entziffern. Das Bier hat 6,9% Alk. vol. und ist mit Amarillo, Cascade und Columbus Hofen gehopft. Beim Malz kommen Pilsner Malz, Münchner Malz und Röstmalz zum Einsatz – so weit so unspektakulär. Es hat ab Werk 65 IBU und 100 EBC … noch dunkler wird es also nicht. 

Im Glas hat das Bier eine schöne dunkelbraune bis schwarze Farbe, es ist trüb und hat einen gut haltbaren / cremigen brauenen Schaum. 

Aroma: Röstig, Kaffee-artig, dezent schokoladig, etwas Getreide. Plus Citrus und Fichte. 

Der Antrunk ist relativ frisch und trotzdem vollmundig. 

Der Abgang ist voll und schwer und wird durch die Citrusnoten fabelhaft ergänzt. 

Mein Prädikat: Ein nahezu perfektes Black IPA aus Österreich. Stout Beer meets IPA sozusagen…

 

Tasting: Munich Summer von der Crew Republic / Crew Ale Werkstatt

Ein Blond Ale / Golden Ale gebraut bei der Hohenthanner Schlossbrauerei für die Crew Ale Werkstatt GmbH in München. Also quasi ein niederbayerisches Craftbier.

Kommt in einer schick gestalteten 0,33 l Flasche auf den Markt, hat 4,8 % vol. alc. und einen moderaten Bitterwert von 22 IBU. Im Glas ist das Bier goldfarben, gleichmäßig hefetrüb und hat einen sehr schnell verschwindenden weißen Schaum. Sieht und wirkt fast wie ein (schales) Weissbier.

Bei den Zutaten ist die Crew Republic – wie schon in der Vergangenheit – vorbildlich transparent: Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Münchner und Karamell), Hopfen (Tradition, Citra, Cascade, Comet, Amarillo) und Hefe. Warum fünf Hopfensorten verwendet werden, wenn man beim Bitterwert eher in der Weizenbier-Region unterwegs ist, erschließt sich mir leider nicht so ganz. Denn im Aroma und Geschmack kommen die C-Hopfen allenfalls entfernt zum Tragen.

Aroma: Würzeartig, Malzaromatisch, etwas Karamell, süßlich

Rezenz: angenehm-soft

Antrunk: leicht und schlank, malzaromatisch, weich, frisch, würzeartig.

Nachtrunk: rund, harmonisch, ausgewogen, malzig.

Mein Prädikat: Betont süffiges, leichtes Sommerbier – wie der Name schon sagt. Leider ohne Ecken und Kanten und ohne Finesse. Schade. Aber für einen lauen Sommerabend am Flaucher sicher genau das richtige Bier.

Tasting: Nanny State 0,5 von Brewdog

Heute ein alkoholfreies oder genauer gesagt ein alkoholarmes Pale Ale aus Schottland. Ja Brewdog kann auch “Dünnbier”. Mit 0,5% vol. alc. klingt das Ganze erst Mal nach einem typischen isotonischen Durstlöscher. Aber weit gefehlt: Das ist ein betont hopfiges “West Coast” Pale Ale das es in Sachen Aroma durchaus mit seinen bekannten Brüdern wie dem Pale Ale von Sierra Nevada aufnehmen kann.

Laut Etikett mit 8 verschiedenen Malzsorten sowie Amarillo-Hopfen und Centennial-Hopfen gebraut. Und natürlich Hopfengestopft.

Die Noten bei Ratebeer sind ganz ordentlich – für ein “Low Alcohol Beer”: http://www.ratebeer.com/beer/brewdog-nanny-state-05/117796/

Optik: Bernsteinfarben und klar, gut haltbarer hellbeiger Schaum der gut am Glas haftet. 

Aroma: Jede Menge Citrusfrüchte (Grapefruit, Zitrone), Pinie / Fichte und etwas Kräuter. Sehr frisch und fruchtig insgesamt. Wenig süßlich.

Antrunk: Hier macht sich dann halt doch der fehlende Alkohol geschmacklich bemerkbar. Das ganze ist relativ dünn und leicht. Schlank und frisch, relativ weich (für ein Pale Ale).

Rezenz: Angenehm-frisch

Nachtrunk: Trocken, feinherb und feinbitter, immer noch Citrus-frisch.

Mein Prädikat: Die erste Wahl für Autofahrer und Kindermädchen – kommt nicht ganz an ein “echtes” Pale Ale” ran, aber für ein alkoholarmes Bier sehr gut gelungen. Ein bisschen drängt sich der Eindruck eines “Fichtennadel-Hopfen-Erfrischungsgetränks” aber am Ende doch auf.