Trockentasting: Das Buch “Bayern genießen Bier – Vom Reinheitsgebot bis zur Kopfüberzapfung”

Noch ein Buch zum Bier. Herausgegeben vom Bayr. Rundfunk im Volk-Verlag, München. Zu finden ist es z.B. hier: http://www.amazon.de/Bier-Vom-Reinheitsgebot-bis-Kopf%C3%BCberzapfung/dp/3862220869/

Das Buch ist – der Titel nimmt es ja vorweg – ausschließlich auf Bier in und aus Bayern fokussiert. In sieben Kapiteln wird ein nahezu kompletter Streifzug durch die bayr. Bierlandschaft unternommen. Los geht es mit dem Kapitel „Geschichte und Tradition“, dann folgen „Orte und Landschaften“, „Ausflüge und Visiten“ sowie das etwas skurrile „Rituale und Rekorde“ (in dem der offenbar  unvermeidbare  „Bier-Weltmeister“ Sebastian Priller das ebenso unvermeidbare Bierstacheln vorführen darf). Nachdem es „nur“ um Bier aus Bayern geht, kommt zumindest der „Bier-Papst“ nicht vor. Dann folgt das Kapitel „Originale und Absurditäten“ in dem dann auch „Starke Frauen, starkes Bier“ zu ihrem unverdienten – weil Frauen und Bier m.E. nicht zu den Absurditäten gehören – Auftritt kommen. Es sind überraschenderweise nicht die Holladierbierfeen die dort vorgestellt werden, sondern das Mutter-Tochergespann der Brauerei Friedmann aus Gräfenberg in Oberfranken sowie die schon bekanntere Schwester Doris von der Klosterbrauerei Mallersdorf. Immerhin. Dann noch die Rubrik „Prosa und Lyrik“ (etwas Kultur MUSS sein) und last but not least „Leib und Seele“ mit Beiträgen zu „Bier und Kalorien“, Doppelbock und Schokolade im Duett und Informationen zur korrekten Bier-Trink-Temperatur.

Das Ganze breitet sich auf insgesamt 260 Seiten aus. Viel Lesestoff also für die 15,90 € die man für das Buch auf den Tisch legen darf. Inhaltlich schwankt das Werk zwischen Allzu-Bekanntem wie der Erfindung von Radler und Russ’n und Obazdn oder der Hallertau und dem dort wachsenden Hopfen im größten Hopfenanbaugebiet der Welt sowie einigen etwas sehr schrägen Beiträgen (Ein Finanzbeamter aus Freising trägt 23 gefüllte Bierkrüge 40 m weit….gehört das nicht in die Tageszeitung in die Rubrik “Buntes” ?) und wirklich interessanten und m.E. neuen Inhalten. Wie zum Beispiel über die Brauerei Röhrl aus Erharting, die im Winter immer noch ganz traditionell Eisblöcke aus dem Weiher schneidet um ihr Bier im Sommerkeller zu kühlen. Oder der Bericht über die Zwerg-Brauerei im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim. Oder das Portrait der Faustbrauerei aus Miltenberg die sogar einen eigenen Brauerei-Laden betreiben.

Natürlich fehlt auch eine Story zum Thema „Laie bzw. Freunde gründen eine (Hobby-) Brauerei“ nicht. Gibt es sogar gleich zweimal: Einmal die Geschichte der sechs Freunde vom Baderbräu in Schnaitsee und dann noch das Portrait von Manni Fritsch und seinem Berabecka Boandlbräu (http://www.boandlbraeu.de/index.php) – dem „Bier-Revoluzzer aus Aichach“.

Auch wenn nicht jeder Beitrag originell oder neuartig ist (manches lag wohl schon etwas im BR-Archiv und musste jetzt weg), so lohnen sich die rund 16 € für das Buch. Mir fehlt eigentlich nur und v.a. ein Beitrag über die neuen Biere und die Menschen die sich für das Thema Craft-Beer engagieren. Denn es gibt es ja mit der Camba Bavaria, der Schönramer-Brauerei oder Pax-Bräu aus Oberelsbach auch spannende Bespiele aus Bayern. Schade das man diesen Aspekt gar nicht berücksichtigt hat.

Prädikat: Zum Preis von einem Kasten Weissbier gibt es vielfältige Informationen für Bier-Kenner und Bier-Novizen.

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