Braufactum entdeckt den Blog als Marketinginstrument

Seit Anfang April ist er online: Der http://www.craftbierblog.de/

“Präsentiert” von BraufactuM. Wer oder was ist BraufactuM ? ==> “Die Oetker-Gruppe lanciert eine neue Marke, mit der eine neue Form der Bierkultur etabliert werden soll – BraufactuM. „Was unter diesem Etikett präsentiert wird, vereint erlesene Aromen, zelebriert neue Geschmackswahrnehmungen und macht Biertrinker zu Gourmets“, so heißt es in der Pressemeldung.” (Zitat aus: Designtagebuch.de)

Eigentlich ist die Idee ja gut und richtig. Aber scheinbar geht es nicht um Craftbier an sich. Sondern um die von BraufactuM vertriebenen bzw. hergestellten Biere. Damit schließt man (bisher zumindest) einen wesentlichen Teil der Craftbier-Szene in Deutschland aus.

Und auch wenn sich die 10-Punkte Philosophie im zweiten Teil des “Have Fun” Artikels schön liest:

>>>  Craft steht für eine Philosophie des Bierbrauens. Folgende Punkte sind dabei für mich essentiell.

1)     Spaß an vielfältigen und auch überraschenden Geschmackserlebnissen   …

2)     Begeisterung – mitunter auch Besessenheit – für Geschmack und Qualität   …

3)     Mut gehört zur Begeisterung dazu  …

4)     Nur die besten Zutaten verwenden  …

5)     Kompromisslose Qualität liefern   …

6)     Wissenschaft und Technologie nutzen, um die Natur zu verstehen  …

7)     Austausch mit Freunden  …

8)     Fusion aus Tradition und Innovation  …

9)     Regeln brechen  …

10)  Last but not least gehört für mich bei einem Craft Bier Brauer, wie eigentlich für jeden Menschen, ein werteorientiertes Handeln dazu. Neben einem bewussten Umgang mit der Umwelt ist auch die Art und Weise des Umgangs im Team, mit Partnern, Kunden, Freunden, aber auch den Wettbewerbern ein wichtiges Merkmal.  …  <<<

Ein wesentlicher Punkt der z.B. auch den US-Craft-Brauern wichtig ist wird hier – aus naheliegenden Gründen – einfach unterschlagen: Die Unabhängigkeit 

Oder wie es auf der Site der Brewers Association heißt:

>>>    An American craft brewer is small, independent and traditional.

Small: Annual production of 6 million barrels of beer or less. Beer production is attributed to a brewer according to the rules of alternating proprietorships. Flavored malt beverages are not considered beer for purposes of this definition.

Independent: Less than 25% of the craft brewery is owned or controlled (or equivalent economic interest) by an alcoholic beverage industry member who is not themselves a craft brewer.

…   <<<   

Mehr dazu hier: http://www.brewersassociation.org/pages/business-tools/craft-brewing-statistics/craft-brewer-defined

Und nachdem die Oetker Radeberger Gruppe hinter BraufactuM steckt, ist man ja wohl alles andere als Unabhängig und entspricht eigentlich nicht der amerikanischen Definition von Craftbier.

 

Der Chezmatze-Blog  http://chezmatze.wordpress.com/2011/05/19/braufactum-bierluxus-made-in-germany/  hat das Thema schon vor zwei Jahren gut analysiert:

>>> Hinter Braufactum verbirgt sich die Radeberger Gruppe, ihres Zeichens Teil des Oetker-Konzerns. Sitz der GmbH ist Frankfurt/Main, die frühere Binding-Zentrale also. Hinter diesem Projekt steckt meinetwegen eine kleine Projektgruppe, aber jede Menge Geld. Geld eines Konzerns, der ansonsten für die Verwässerung der deutschen Bierlandschaft verantwortlich zeichnet. Denn wer würde ernsthaft behaupten wollen, dass Binding, Henninger, Radeberger oder Berliner Kindl gute Biere sind? Wollen uns die Großbrauer veräppeln mit ihrer “Drei Männer auf Biersuche”-Geschichte? 

Andererseits: Die Brauer, die die Braufactum-Biere verantworten, verstehen definitiv ihr Geschäft. Sie werden diese Biere sicherlich mit viel größerer Begeisterung brauen als die Plörre, die sie ansonsten produzieren müssen. Ich fresse einen Besen (nein, nicht schon wieder!), wenn Progusta-Brauer Janssen nicht der Jever-Mann ist, Eiselt und Ludwig aus Sachsen und Thüringen stammen (die Namen der verantwortlichen Brauer stehen auf den Etiketten). Wenn der deutsche Biertrinker schon so dumpf ist und nur das Wort “Reinheitsgebot” lallen kann, obwohl er gar nicht weiß, wie viele Zusatzstoffe das inzwischen beinhaltet, dann – ja dann muss vielleicht ein Großkonzern mit viel Geld her, der deshalb den notwendigen Atem hat, um diese Bierspezialitäten endlich auch mal auf den einheimischen Markt zu werfen.

Wiederum andererseits gibt es mittlerweile einige innovative Kleinbrauer in vielen Landesteilen und benachbarten Ländern, die höchst interessante Dinge ausprobieren (siehe zum Beispiel hier oder sogar viel eher noch hier). Jene müssen gegen die gesetzlichen Bestimmungen kämpfen, haben aber nicht das Kleingeld im Hintergrund. Werden sie jetzt überrannt von der Radeberger Maschine, zumal wir Verbraucher ja auch die 112 Seiten Katalog bei jedem Bier mitbezahlen? Oder schlägt der Gigant hier mit der Axt eine große Schneise, die die Kleinbrauer dann nutzen können? 

Dass die Bierrevolutionen in den USA, England, Belgien und Italien anders gelaufen sind, nämlich wirklich “von unten”, brauche ich nicht besonders zu betonen. Aber vielleicht geht es im schwerfälligen Deutschland wirklich nur so.    <<<

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